Heute gleich 2 Artikel aus der WELT zum Thema Merkel, zum einen dieser hier von Herrn Fahrun und zum anderen jener dort von Herrn Schmid, dem Chefredakteur der WELT. Anscheinend sind Stakkati in diesen Tag angesagt, denn fast täglich kommt eine neue Lobeshymne auf die Bundeskanzlerin in die WELT, während für Herrn Beck nur ein paar Zeilen übrig sind.

„Es passt zu ihrer Konfession, was die Kanzlerin da sagt: „Man muss seine Aufgaben machen, und fertig.“ Angela Merkel pflegt einen protestantischen Stil.“

Ehm… entweder hab ich damals in der Schule nicht richtig aufgepasst, als in Ethik verschiedene Religionen angerissen wurden oder Herr Schmid hat nicht aufgepasst. Das Zitat von Frau Merkel würde ich eher einer Hausfrau zuschreiben statt einer Religion. Protestantisch wie auch Katholisch heisst für mich Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Mitgefühl. Davon kann ich nur wenig erkennen, wenn Frau Merkel den allseits beliebten Herrn Schäuble in Schutz nimmt.

„Keine Spur von jener Mischung aus Staatstheater und Schröder-Show, mit dem ihr Vorgänger am gleichen Ort oft aufwartete. Regieren heißt arbeiten, und fertig.“

Ich bin mir sicher, dass auch andere Vorgänger von Frau Merkel öffentlichwirksame Shows abgezogen habe. Regieren mag ja arbeiten heißen, aber es heißt auch, auf den Willen des Volkes Wahlviehs zu hören (dazu gehört nicht nur die Wirtschaft).

„Munter soll es weitergehen, immer entlang ihrer alten Devise, dass es darum gehen muss, „die bewährte soziale Marktwirtschaft voranzubringen“, also dem rauen Klima der Globalisierung anzupassen.“

Kaum wird von einem Voranbringen der sozialen Marktwirtschaft gesprochen, wird automatisch ein Anpassen an die sogenannte Globalisierung herangeführt. Ich mag kritische Artikel wirklich sehr.

„Die Kanzlerin lässt halb offen, ob die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt dem segensreichen Wirken ihrer Regierung zu verdanken sei“

also sind annähernd 7 Millionen Arbeitslose Leistungsempfänger erfreulich und segensreich. (protestantisch? 😉 )

„dann aber doch, wie mehrfach an diesem sommerwarmen Berliner Mittag, die Schulmeisterin, die Gouvernante: Aufschwung gut – aber bitte nun alles tun, damit er sich auch verstetigt. „

Welcher Aufschwung? Und was hat das mit dem Wetter zu tun? Hatte sie etwa schon wieder einen Achselfleck oder wieso wird das Wetter mit beschrieben?

„Die Menschen, zu denen sie spricht, stellt sie sich vielleicht als unsichere Kantonisten vor: guten Willens vielleicht, aber schwach. Daher ihr steter Aufforderungston. „

Also bleibt es bei auch für mich bei Wahlvieh, schließlich sind die Wähler ja dumm und unmündig und wissen nicht, was gut für sie ist.

„Angela Merkel ist nun ganz Staats-Frau. Sie setzt ihre Akzente, aber nicht so, dass sie allzu stark ausfallen. Fast immer bleiben Fragen, bleibt Offenes. Nur an wenigen Punkten wird sie eindeutig.“

Jep, eindeutig Politikerin.

„es klingt eine entschiedene Sympathie durch für die Richtung, in der Wolfgang Schäuble agiert. „Der Verfassungsminister muss über neue Bedrohungen nachdenken.“ Und außerdem: „Ich bin keine Kanzlerin, die Denkverbote ausspricht.““

Ich muss auch über neue Bedrohungen meiner Freiheit oder meiner Gesundheit nachdenken, aber ich denke leise und schreibe erst nach dem Denken.

Nachtrag 14:14 Uhr: Übrigens sieht Arby das ähnlich. Weiter im Text.

„Auch deswegen, weil sie bei jeglichem Thema die eine Welt, die es nun gibt, nie aus den Augen verliert. Und die hat uns nun einmal den asymmetrischen Krieg und andere neue Bedrohungen beschert. Also, sagt die Protestantin, muss über Prävention diskutiert werden. „

Also sind die U.S.A. die eine Welt? Schliesslich haben die USA die Kriege in Afghanistan vom Zaun gebrochen, weshalb nun natürlich verstärkte Terroraktionen gefolgt sind. Und da schon wieder das Wort – Protestantin. Was hat das nun schon wieder mit dem Christentum zu tun? Vielleicht Verhütung?

„In der großen Koalition scheint sie sich dagegen sehr wohl zu fühlen. Kein abfälliges Wort über den Koalitionspartner ist ihr zu entlocken“

Als ob die anwesenden Reporter oder wenigstens der Autor darauf gewartet haben.

„Erstens: Unterschiede gebe es. Zweitens sei es falsch, sie zu verdecken. Drittens: Kompromisse seien nötig. „Das gehört dazu.“ Und fertig. Und auf die Frage, was sie über Umweltminister Gabriels Vorschläge halte, die Atomindustrie zur Abschaltung älterer Meiler zu nötigen, sagt sie, damit das Publikum auch einmal etwas zu lachen hat: „Herr Gabriel darf, wie jeder Minister, mal einen Vorschlag machen, über den wir nicht gesprochen haben.“ Einen Vorschlag, nicht zwei oder drei. „

Solange es nur ein Vorschlag ist, braucht man da ja keinen Kompromiss eingehen. Herr Schäuble hat auf eigene Faust übrigens schon weit mehr Vorschläge gemacht – ohne personelle Konsequenzen.

„Wir wissen nicht, wie wir mit Heuschrecken umgehen sollen, die sich uns in staatlichem Gewande nähern: Wie schaffen wir da einen ordnungspolitischen Rahmen, in dem freiheitliches Handeln dann möglich ist? Die Kanzlerin scheint die Welt wie eine anspruchsvolle Versuchsanordnung zu erleben. „

Deutschland, Europa, die Erde – ein riesiger Sandkasten zum Spielen. Gute Nacht, Deutschland. Da kann ich mich dem hier nur anschliessen.

„Plötzlich wird klar, warum die große Koalition – die Angela Merkel doch gar nicht wollte – so gut zu ihr passt.“

Ein einziger Sandburgenbauverein?

„Angela Merkel scheint ihren unverwechselbaren Stil gefunden zu haben. „

Faule Eier oder vergammeltes Fleisch ist auch unverwechselbar.

Update 10:08 Uhr: Passend hier zu auch ein wunderbarer Kommentar des Freiheitsblog.

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