Und wieder eine wunderbare Seifenblase der WELT: Wulff spricht sich für längere Laufzeiten aus

Ein Aufsichtsratvorsitzender der Volkswagen AG, gleichzeitig Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, spricht sich für eine Verlängerung der Laufzeiten älterer Atomkraftwerke aus. Hat die Volkswagen AG etwa Stromhunger?

„Wulff [CDU, Anm.d.R.] sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, er hielte es für fragwürdig, wenn in Deutschland Atomkraftwerke nach rund 30 Jahren abgeschaltet würden, während andere Länder wie die Niederlande, Finnland oder Schweden neue errichteten und Laufzeiten auf 60 Jahre verlängerten. „

In den Niederlanden ist auch Marihuana erlaubt und in Schweden gibt es eine dicke Alkoholsteuer. Da ist doch Deutschland auch nicht dabei. Was soll denn daran noch fragwürdig sein?

„„Ein Kernkraftwerk, das dem höchsten Stand der Sicherheit entspricht, frühzeitig vom Netz zu nehmen, dient nicht den Zielen des Klimaschutzes und ist Vernichtung von volkswirtschaftlichem Vermögen“, sagte Wulff.“

Die armen Kernkraftwerke können ja schliesslich nichts dafür, dass sie bei einem Störfall ganze Regionen verseuchen können (Klimaschutz?!), da sind nur die unterbezahlten privatisierten kleinen Mitarbeiter dran Schuld. Oder?

„Die Bundesregierung sei nicht die Betreiberin der Kraftwerke. Die Energiekonzerne hätten Betriebsgenehmigungen. „Und was die mit diesen Betriebsgenehmigungen machen, wenn es im Rahmen einer ordentlichen Sicherheitsphilosophie stattfindet, das ist dann ihre Sache“, betonte Glos. In den USA gehe man etwa auf eine Laufzeit von 60 Jahren.“

Offensichtlich gibt es aber keine ordentliche Sicherheitsphilosophie. Und mit USA-Vergleichen kann ich auch kommen. In den USA wird das Staatsoberhaupt direkt gewählt, gibt es einen Führerschein ab 16 und Alkohol ab 21 😉

„Die Energiekonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall wollten an ihren Plänen festhalten, Laufzeitverlängerungen für die drei älteren Kernkraftwerke Biblis A, Neckarwestheim 1 sowie Brunsbüttel zu beantragen, um im Gegenzug modernere Meiler früher abzuschalten, schreibt die „Berliner Zeitung“ unter Berufung auf eigene Informationen.“

Na, wer entdeckt den Logikfehler?

„Bernotat [Vorstandschef von E.On, Miteigentümer der beiden Atomkraftwerke., Anm. von mir] warb trotz der Pannen erneut für eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke: „Kernkraft ist CO2-frei.“ Mit ihr könne man die Zeit überbrücken, bis die regenerativen Energien wirtschaftlich seien und es nur noch klimafreundlichere Kohlekraftwerke gebe, sagte der Energiemanager dem „stern“. E.ON prüft laut Bernotat den Neubau von Atomkraftwerken in England und Finnland. Der Bundesregierung warf er vor, den „Einstieg in eine ökologische Planwirtschaft“ zu verfolgen. „

Kernkraft mag ja CO²-frei sein, aber was ist mit dem anderen Abfall, der unter grossem Steuergeldaufwand durch Polizeibewachung (sic!) in Endlager transportiert werden muss? Warum müssen für eine Überbrückungszeit neue Atomkraftwerke gebaut werden, oder ist die Überbrückungszeit zu lang angesetzt? Und was soll bitte ökologische Planwirtschaft sein?

Alles in allem ein weiterer unkritischer Artikel der WELT.

Update 14:39 Uhr: Die heute veröffentlichte Mängelliste das AKW Brunsbüttel umfasst 650 Einträge, wovon 165 Einträge „prekär“ sind, wie in der Linkszeitung zu lesen ist.

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